Im Scheinwerferlicht - Bernt Haas: «Auf dem roten Platz gingen viele Schuhe kaputt»

Der Freienbacher Fussball-Sportchef Bernt Haas. (Foto: freshfocus)

Bernt Haas (46) spielte bereits mit 17 Jahren mit GC Champions League gegen Real Madrid. Der Ex-Internationale aus Freienbach SZ war zuletzt Sportchef bei Fussball-Rekordmeister GC.

Obersee Nachrichten: Bernt Haas, wann waren Sie letztmals in Freienbach?
Bernt Haas: Das ist nicht lange her. Ich fahre immer wieder nach Hause, besuche meine Mutter und meinen Bruder.

Wie war Ihre Jugend in der Ausserschwyz?
Es war ein unbeschwertes Aufwachsen an einem schönen Fleck Erde am See mit einer Badi. Wir lebten zuerst in Buttikon, dann in Freienbach, später in Wilen bei Wollerau. An meine Schulzeit erinnere ich mich vor allem, dass wir mit dem Velo immer zum roten Platz gefahren sind und dort Fussball gespielt haben. Dort gingen ein paar Schuhe kaputt – nicht zur Freude meiner Mutter.

Schweizweit bekannt wurden Sie bereits 1995 mit der Schlagzeile: «19 000 Fr. im Monat: GC-Haas – mit 17 Krösus der Liga». Können Sie sich daran erinnern?
Ja, klar. Ein Journalist hatte mich zu Hause angerufen. Und ich gab Auskunft. Ich behaupte, Sie wissen auch, wer das war…

Es kommt mir irgendwie bekannt vor…
… als der Artikel am nächsten Tag erschien, musste ich im Büro von Sportchef Erich Vogel antraben und mir einiges anhören.

Ihre Teamkollegen bezahlten 40 Prozent Steuern, Sie nur eine jährliche Kopfsteuer von 23 Franken und 90 Rappen.
Stimmt, aber ein Jahr später musste ich auch Steuern zahlen. Zum Glück war Freienbach schon damals eine steuergünstige Gemeinde.

Eine andere Schlagzeile lautete: «Haas – ein armes Schwein: 556 Tage für Comeback von 41 Minuten».
Das war zum Ende meiner Karriere als Spieler bei St. Gallen. Diese Zeit in der Ostschweiz war sehr unglücklich für mich. Zuerst hatte ich einen Bandscheibenvorfall, der operiert werden musste. Später einen Knorpelschaden im Knie. Der operierende Arzt in Augsburg prophezeite mir, ich werde nie mehr Fussball spielen können. Ich schaffte es dennoch wieder auf den Platz. Doch beim ersten Testspiel auf dem GC-Campus in Niederhasli riss ich mir gleich die Achillessehne. Der Körper sagt dir irgendwann: Es geht nicht mehr! Aber nach 15 Jahren als Profi willst du dir das nicht eingestehen.

Sie machten für die Schweiz in neun Jahren 36 Länderspiele, sagten später: «Wenn ich alle Spiele auf der Bank dazuzähle, dann wäre ich Rekord-Internationaler….
…Ja, mit 18 Jahren gab ich in der Nati unter Rolf Fringer bei einem 3:2-Sieg in Helsinki gegen Finnland mein Debüt. Doch unter Gilbert Gress war ich dann zumeist auf der Bank. Erst unter Köbi Kuhn war ich Stammspieler.

Sunderland und West Bromwich Albion in England, Bastia, Köln, Sie waren auch Jahre im Ausland erfolgreich. Zufrieden?
Ich spielte mit 17 bei GC schon Champions League, war mit 18 Nati-Spieler. Damals spielten noch nicht viele Schweizer im Ausland. Ralf Rangnick, der heutige Coach der Österreicher, wollte mich 1999 zum VfB Stuttgart holen. Doch bei einer Meniskus-Operation kam aus, dass auch mein vorderes Kreuzband angerissen war. Deshalb war ich für den VfB medizinisch eine Zeitbombe, das Risiko war ihnen zu gross. Für mich brach damals eine Welt zusammen. Zum Glück durfte ich später doch in der Premier League spielen.

Am 26. März dieses Jahres wurden Sie bei GC von den neuen US-amerikanischen Klub-Besitzern vor die Türe gesetzt. Wie schmerzhaft war das?
Das geht nicht spurlos an einem vorbei. Aber Dankbarkeit gibt’s im Fussball bekanntlich nicht. Als ich bei GC als Sportchef begann, waren noch die Chinesen die Besitzer. Sie hatten die Vision, den Klub wieder dort hinzubringen, wie ich ihn als Spieler gekannt hatte, in die Champions League. Doch danach wurde das Budget immer mehr zusammengestrichen. Und ich musste Spieler engagieren, die nicht fit waren. Trotzdem spielten wir in der ersten Saison bis zum letzten Spieltag um die europäischen Plätze. Im ersten Training nach der Sommerpause standen dann nur sechs Super-League-taugliche Spieler auf dem Platz.

Bis wann erhalten Sie von GC noch Lohn?
Bis Ende dieses Monats. Ich möchte im Fussball-Business bleiben. Ich schaue mir Spiele an, treffe Leute.

Max Kern

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