Neophyten, also aus aller Welt eingeschleppte Pflanzen, bedrohen und verdrängen einheimische Pflanzenarten. Nun hat der Bundesrat gewisse Arten verboten – und Gemeinden setzen zum Kampf gegen die «Invasoren» an.
Zum Teil sind sie schon seit Jahrzehnten Teil von Privatgärten als anspruchslose oder dekorative Pflanzen. Doch sie bieten auch Probleme unterschiedlicher Art. Zum Beispiel, wenn sie sich unkontrolliert vermehren. Im März hat der Bundesrat nun beschlossen, dass ab 1. September 2024 gewisse invasive und gebietsfremde Pflanzen nicht mehr auf den Markt gebracht werden dürfen. Darunter befinden sich zum Beispiel der beliebte Kirschlorbeer und der Sommerflieder. Vom Verbot nicht betroffen sind bereits im Garten vorhandene Pflanzen.
Kirschlorbeer ökologisch nutzlos
Der Kirschlorbeer, weder mit dem echten Lorbeer noch mit der Kirsche verwandt, ist eine giftige Pflanze aus dem asiatischen Raum. In den Gärten ist er beliebt als blickdichte und anspruchslose Hecke. Seine Blüten interessieren Insekten kaum, die Beeren werden durch die Vögel verschmäht und innerhalb der Hecke kommt kein Licht hin, da wächst auch nichts mehr am Boden. Zudem bildet er laufend Ableger. Werden Schnittabfälle des Kirschlorbeers im Wald entsorgt – was eh verboten ist – fassen sie Wurzeln und wachsen von dort aus weiter. Kirschlorbeer muss über die Verbrennung oder die kontrollierte Grüngutsammlung entsorgt werden.
Vermehrungskünstler
Der Sommerflieder ist wegen seiner Blüten nicht nur optisch schön, sondern lockt auch viele Schmetterlinge an. Dass sein Nektar Schmetterlinge «süchtig» machen soll, ist eher ein Mythos, der Flieder wird nur von Schmetterlingsarten besucht, die reichlich vorhanden sind. Er verdrängt jedoch Blütenpflanzen, welche seltene Arten ansprechen. Das Problem am Sommerflieder ist zudem seine Versamung. Die Blütenstände bilden Millionen von Samen, die durch den Wind verbreitet werden. Wer dem entgegenhalten will, schneidet die Blüten nach dem Verblühen und entsorgt diese in der Verbrennung. Fälle von Sommerflieder im Wald sind bekannt, wie zum Beispiel am Buchberg bei Tuggen.
Umtauschaktion in Eschenbach
Eine interessante Aktion im Kampf gegen Neophyten gleist die Gemeinde Eschenbach auf – in Form einer Umtauschaktion. Und das funktioniert wie folgt: Kirschlorbeer, Sommerflieder und Einjähriges Berufskraut mitsamt den Wurzeln an den Sammeltagen (5. Juni und 6. September) beim Werkdienst abgeben. Im Tausch kann dann aus einer Auswahl an einheimischen Sträuchern und Wildrosen ein Favorit bestellt werden. Die Herausgabe der gewählten Pflanzen erfolgt dann im Herbst, ein genauer Termin steht noch nicht fest. (eschenbach.ch/neophyten-aktion).
Verwilderungen im Wald
Auch in Eschenbach gibt es Fälle von Versamungen und Verbreitung invasiver Arten im Wald, wie Gemeinderat und Präsident der Naturschutzkommission, Roman Rüegg auf Anfrage der «Obersee Nachrichten» bestätigt. Die Gemeinde setzt sich seit vielen Jahren dafür ein, die Ausbreitung einzudämmen und hat dafür ein Neophyten-Konzept im Einsatz. Gemäss Gemeinde wendet der Werkdienst jährlich eine beachtliche Anzahl Arbeitsstunden auf, um gebietsfremde Pflanzen fortlaufend zu bekämpfen. Darüber hinaus steht die Naturschutzkommission regelmässig auch mit Vereinen, Schulklassen und Freiwilligen im Einsatz, um belastete Stellen von invasiven Pflanzen zu befreien. Weiter gibt die Gemeinde kostenlose Neophyten-Säcke ab – dies zur umsichtigen Entsorgung gebietsfremder Pflanzen durch Privatpersonen.
Welche Ersatzpflanzen?
Als Ersatz von Kirschlorbeer bietet sich zum Beispiel die europäische Stechpalme (schwach giftig) oder die heimische Eibe (stark giftig) an. Weiter das Pfaffenhütchen (giftig) mit seinen purpurnen Blüten- und Samenständen, welche bei Insekten und Vögeln beliebt sind. Ebenfalls wertvoll ist der Gemeine Schneeball. Seine intensiv roten Beeren werden erst nach dem ersten Frost für Vögel geniessbar und leuchten deshalb auch lange in den Winter hinein. Diverse Weidenarten bieten sich als wenig anspruchsvolle Gewächse an. Dazu kommen Beerensträucher wie die Rote Heckenkirsche, der Schwarzdorn, der Holunder, Kornelkirsche, Alpen-Johannisbeere und die Stachelbeere. Und natürlich Rosenarten wie die Hundsrose, welche schöne Hagebutten bildet.
1250 Jahre Eschenbach
In Eschenbach wünscht man sich, dass als Neophytenersatz möglichst viele Wildrosen gepflanzt werden und 2025, pünktlich zum 1250-jährigen Jubiläum von Eschenbach erblühen. Eine rote Rose ist schliesslich Bestandteil des Gemeindewappens von Eschenbach.
Sven Gasser






