Seit 1978 gibt’s Autobahnstummel

Der Betzholz-Autobahnstummel (Bildmitte unten). Ab 2040 darf geradeaus gefahren werden. (Foto: Thomas Hulliger)

Am 19. Oktober 1978 wurde im Betzholzkreisel das neue Autobahnteilstück, das von Rapperswil-Jona Richtung Nordwesten (und A1) führt, eingeweiht. Seit 46 Jahren geht’s nicht weiter. Führt jetzt die neue Variante «Tunnel tief lang» zum Anschluss-Ziel?

Ausländer und andere Nicht-Ortskundige staunen beim Hinwiler Betzholzkreisel seit 46 Jahren Bauklötze: Statt wie üblich auf Autobahnen mit 120 km/h Richtung A1 oder den Flughafen Zürich-Kloten weiter zu fahren, werden die Autofahrer nach rechts hinauf in einen Kreisel gelenkt. Mit zum Teil nur 60 km/h tuckern die Autos Richtung Hinwil, Wetzikon oder Uster. Oder auf der Forchautobahn Richtung Zürich-City.

Auf einen direkten Anschluss an die Autobahn A1 (verbindet St. Gallen mit Genf) warten die Autofahrer seit dem Oktober 1978 – staunend sehen die Verkehrsteilnehmer im Betzholzkreisel seit 46 Jahren einen zweispurigen Autobahnstummel.

Ciao Stau im Jahre 2040?
Der Verein «Zusammenschluss Oberlandstrasse» kämpft seit 1999 aktiv dagegen. Jetzt gibt’s endlich Licht am Horizont: Im Jahre 2040  – oder 62 (!) Jahre nach der Einweihung des Autobahn-Teilstücks zwischen Rapperswil-Jona und dem Betzholzkreisel, soll die leidige Autobahnlücke endlich geschlossen werden. Heisst: Die staugeplagten Zürcher Oberländer, die tagtäglich am Morgen und am Abend zwischen Hinwil und Uster-Ost im Verkehr stecken bleiben, können in sechzehn Jahren endlich durchschnaufen und zügig durchs Aathal (oder unten durch) fahren.

Seit dem 1. Januar 2020 hat das Bundesamt für Strassen ASTRA vom Kanton Zürich das Projekt Oberland-Autobahn übernommen. Der Variantenentscheid, welches Autobahnprojekt verfolgt wird, ist immer noch nicht gefällt. Bis vor kurzem wurde die Variante «Tunnel tief» von Wetzikon bis Betzholzkreisel favorisiert.

Neue Variante: Tunnel tief lang
Doch bei 43 Sondierbohrungen zwischen August 2023 und August 2024 gab’s überraschende Ergebnisse. Das ASTRA schreibt: «Durch die bisher gewonnenen Erkenntnisse durch die Sondierungen wurde festgestellt, dass der Fels tiefer verläuft als ursprünglich angenommen. Damit wäre auch eine tiefere Linienführung eine Option. Diese wäre mit dem Verzicht auf einen Anschluss Wetzikon verbunden. (...) Aus diesen Gründen werden nun Varianten ohne einen Anschluss Wetzikon geprüft, der sogenannte ‘Tunnel tief lang’. Bei dieser Variante würde ein direkt vom Anschluss Uster Ost bis zum Betzholz-Kreisel verlaufender Tunnel gebaut. Neben dem Anschluss Wetzikon würde auch das Viadukt im Aathal wegfallen.» Für die Variante «Tunnel tief lang» werden jetzt aber wieder neue Sondierbohrungen nötig, um die geologischen Verhältnisse entlang der neuen Linienführungs-Variante abzuklären. Die weiteren Sondierbohrungen sollen laut ASTRA vom November dieses Jahres bis im Frühling 2025 durchgeführt werden «Weil die Sondierbohrungen zur Erkundung der geologischen Verhältnisse aufwendiger als geplant sind, verzögert sich die Wahl der Bestvariante für eine Lückenschliessung der Oberland-Autobahn.»

Noch 11680-mal Stau
Der Variantenentscheid ist für das Jahr 2026 geplant. 2040 soll die Autobahnlücke im besten Fall geschlossen werden. Heisst für die Stau-geplagten Oberländer: «Nur» noch 5840-mal schlafen. Oder 11680 Staus erdulden.

Max Kern

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