Die Fronten sind nach wie vor verhärtet im Wasserstreit um das Pumpwerk Grünfeld. Jedoch wird seit Montag im Grünfeld wieder gebaut. Dies zur Erhaltung der Versorgungssicherheit mit Wasser.
180 Stimmberechtigte durfte Christoph Lehmann, Verwaltungsratspräsident der Wasserversorgung Rapperswil-Jona (WVRJ), im katholischen Kirchgemeindehaus Jona letzten Freitag zur Generalversammlung begrüssen. Und das brennende Thema war im Jahresrückblick des Präsidenten schnell auf dem Tisch: Die Sanierung, respektive der blockierte Neubau der Pumpstation Grünfeld – die ergiebigste Wasserressource der Stadt. Die WVRJ ist eine nicht gewinnorientierte, privatrechtliche Genossenschaft mit dem klaren Auftrag, den Bewohnern, der Industrie, dem Gewerbe und der Feuerwehr der Stadt Wasser zur Verfügung zu stellen.
Herausforderndes 2023
Dass die Pumpstation Grünfeld fehlt, zeigte sich auch im letzten Jahr. Die Wasserfassung Tägernau war im vergangenen Sommer überlastet und musste geschont werden. In der Folge musste mehr Seewasser bezogen werden, welches sehr weich ist und in den Leitungen Kalk löst, was zum Teil zu einer leichten braunen Verfärbung führt. Die Wasserqualität in der Stadt ist jedoch einwandfrei. Besondere Aufmerksamkeit braucht das Leitungsnetz, das zum Teil in den 1970er-Boomjahren erstellt wurde und nun erneuerungsbedürftig ist. Auch die stetige Bautätigkeit, die innere Verdichtung und der Verkehr in der Stadt beeinflusst den Aufwand für das Leitungsnetz. Durch den blockierten Bau im Grünfeld sind auch Arbeiten im Leitungsnetz blockiert. Die WVRJ hat Peter Merkli, Sportcenter Grünfeld AG, eine Vertragsverlängerung für die Aussenplätze bis 2057 angeboten. Diese ist jedoch von der Gegenpartei wegen der Löschungsklausel abgelehnt worden (siehe Fragen).
Es wird weitergebaut
WVRJ-Geschäftsführer Martin Kurt bezeichnet den Siedlungsdruck und die Gewässerschutzzonen als grösste Herausforderung für die Sicherstellung der Versorgungssicherheit mit Wasser. Und er verkündet, dass im Grünfeld die Bauarbeiten wieder aufgenommen werden, mit dem Ziel, im August im Grünfeld wieder Wasser zu pumpen. Es ist Eile angesagt, denn im Herbst saniert das Seewasserwerk Stäfa sein Leitungsnetz und kann ab diesem Zeitpunkt kein Wasser in die Gruppenwasserversorgung Zürcher Oberland mehr liefern. Und von dort bezieht die WVRJ das Wasser. Die Stadt hat am 4. April die Aufhebung des Baustopps verfügt und einem allfälligen Rekurs die aufschiebende Wirkung entzogen. Der Rekurs der Sportcenter Grünfeld AG ist diesbezüglich noch hängig, die Verfahren laufen. Die Stadt hat der WVRJ jedoch am 23. Mai schriftlich mitgeteilt, dass die Bauarbeiten wieder aufgenommen werden können.
Teurer Rechtsstreit
Reto Wolfisberg, Finanzvorstand, teilte der Versammlung mit, dass der Aufwand im Rechtsstreit bislang um die 400 000 Franken beträgt. Dazu kommt viel zeitlicher Aufwand im Verwaltungsrat und Mehraufwand in der Wassergewinnung. Das Geschäftsjahr schliesst mit einem Gewinn von 280 000 Franken ab. Für die Investitionen ins Leitungsnetz – 3 Mio. Fr. pro Jahr über sieben Jahre – hat sich die WVRJ fremdfinanziert. Das Budget sieht für 2024 einen Verlust von 1 Mio. vor. Gebührenerhöhungen werden wohl unumgänglich sein.
Sven Gasser
Vier Fragen an Christoph Lehmann
Seit Montag wird im Grünfeld wieder gebaut. Wurde der Baustopp demnach aufgehoben?
Die Bewilligungsbehörde der Stadt Rapperswil-Jona hat die Aufhebung des Baustopps am 4. April 2024 verfügt und einem allfälligen Rekurs gegen den Entscheid die aufschiebende Wirkung entzogen. Die Sportcenter AG hat Rekurs gegen die Aufhebung des Baustopps erhoben. Die Verfahren sind noch hängig und per dato ist noch kein Entscheid zum Rekurs gegen die Aufhebung des Baustopps wie auch zum Entzug der aufschiebenden Wirkung gefällt worden. Die Stadt Rapperswil-Jona hat uns daher am 23. Mai schriftlich mitgeteilt, dass wir die Bauarbeiten sofort wieder aufnehmen können.
An der Generalversammlung teilten sie mit, dass dem Einsprecher das Angebot gemacht wurde, das Baurecht bis 2057 zu verlängern. Ist der Einsprecher auf dieses Angebot ablehnend eingetreten?
Unser Angebot wurde aufgrund der enthaltenen Löschungsklausel abgelehnt (löst Heimfall aus). Gemäss Peter Merkli bringt ihm die Klausel aus wirtschaftlicher Sicht Nachteile. Die Löschungsklausel dient als Absicherung der Wasserförderung bei einer Verschärfung des gesetzlichen Gewässerschutzes. Die Konzession für die Wasserförderung wird durch den Kanton erteilt und wieder entzogen.
Es herrscht die Stimmung, dass bei WVRJ und dem Einsprecher keine Kompromissbereitschaft bestehe. Wie muss man das einordnen?
Solange die permanente Wasserförderung gewährleistet werden kann, sind Lösungen möglich. Dies bedingt jedoch eine Absicherung wie oben beschrieben. Die Verhandlungen wurden durch Peter Merkli abgebrochen und der Rechtsweg wird weiterverfolgt.
Sprudelt im August im Grünfeld wieder Wasser?
Wir werden alles daran setzen, dass im August wieder Wasser ins Netz eingespeist werden kann. Der Zeitplan ist eng, aber wir sind guter Dinge. Eine Intervention seitens Sportcenter AG über die Gerichte ist jedoch möglich.






