Riesenslalom-Star Thomas Tumler ist weltweit einer der wenigen, der in die Nähe der Zeiten von Überflieger Marco Odermatt kommt. Der Wahl-Lachner verrät: Im Camp im argentinischen Ushuaia hatte der Bündner Team-Senior (bald 35) für einmal die Nase vorn.
Für das Schweizer Frauen-Team mit Lara Gut, Wendy Holdener & Co. startet am Samstag auf dem Gletscher in Sölden in die Weltcup-Saison. Am Tag darauf stehen auch die Schweizer Riesen-Stars im österreichischen Ötztal im Starthaus. Mit Überflieger Marco Odermatt, dem vierfachen Disziplinen-Sieger der letzten Saison, Loic Meillard, dem 2. der Riesen-Weltcup-Rangliste. Und den beiden Bündnern Thomas Tumler (7.) und Gino Caviezel (13.).
Bündner? Im Fall von «TT» Tumler nicht mehr ganz zutreffend. Seit sechs Jahren wohnt Tumler in Lachen SZ. 188 Auto-Kilometer oder 2:42 Stunden vom hintersten Bündner Hochtal an der Grenze zu Österreich entfernt. Wie landete Tumler in der March? «Der Liebe wegen», sagt der Marken-Kollege von Odermatt (beide fahren Stöckli-Skier) Anfang Woche zu den «Obersee Nachrichten». Seine Freundin Svenjia, geborene Hefti, ist unschwer zu erkennen, Glarnerin. Tumler: «Sie arbeitet in Zug, deshalb suchte sie etwas in der Mitte. Und fand dort auch eines Tages Thomas Tumler.» Seit diesem Sommer sind die beiden verheiratet. Bei der Hochzeit auf dem Anwesen der berühmten Grappa-Distillerie Berta im Piemont waren auch alle Riesen-Kollegen von Swiss Ski. Und das Paar wurde überrascht durch eine Video-Botschaft von Tennis-Legende Roger Federer, dem Bald-Rapperswiler. Klein Tumler war früher mit seinem Vater oft im Piemont – kein Wunder. Der Vater führt in der Zollfreizone Samnaun einen Whisky-Shop und bietet dort auch Grappe Berta an.
Gönnt sich auch der Weltcup-Fahrer hie und da ein Gläschen? Tumler zu den «Obersee Nachrichten»: «Ab und zu, am Vorabend eines Rennens, nehme ich einen Schluck Whisky gegen die Nervosität.»
Zuletzt waren die Schweizer Riesen-Akrobaten für zweieinhalb Wochen im argentinischen Ushuaia. Und, konnte Tumler im Training einmal Bestzeit aufstellen und den (fast) unschlagbaren Odermatt schlagen. «Ja, an einem Tag war ich schneller. Aber Odi ist nicht so der Massstab im Training. Deshalb werde ich jetzt nicht euphorisch. Gino Caviezel war auch immer sehr schnell.»
Mit zweieinhalb Jahren ist Tumler erstmals auf den Skiern gestanden. «Als mein älterer Bruder Marco die ersten Medaillen nach Hause brachte, wurde ich vom Ehrgeiz gepackt, ebenfalls Wettkämpfe zu bestreiten. Schon früh sind wir durchs ganze Bündnerland gereist, um am Skirennen teilzunehmen.»
Tumlers Karriere hing oft an einem dünnen Faden. Immer wieder plagten ihn Rückenprobleme. Am schlimmsten war’s im Januar 2017. «Dieser Bandscheibenvorfall war ziemlich heftig.» Auf der Heimfahrt aus Kitzbühel ist er an der Tankstelle nicht mehr zum Benzin tanken aus dem Auto gekommen. Da dachte ich mir: Auch das Leben nach der Karriere ist wichtig, ich möchte auch später noch Sport treiben können.»
Tumler kehrte zurück, überwand auch weitere (sportliche) Tiefschläge. Und gehört seit letzter Saison im Riesen definitiv zur Weltspitze: Er fährt fünfmal in die Top Ten, zuletzt gar aufs Podest. Mitentscheidend: Seit dem zweiten Riesen in Alta Badia (I) Mitte Dezember 2023 fährt er das gleich harte Stöckli-Modell wie Odermatt.
(Max Kern)






