Cyril Bieri: «In St. Moritz hörst du es pfeifen, wenn du schnell bist»

Der Schmerkner Bob-Anschieber Cyril Bieri.Foto: zVg

Aufgewachsen zwischen zwei Seen, liebt der Wahl-Schmerkner seit 2017 das gefrorene Wasser: Cyril Bieri (31) ist erster Anschieber im Viererbob des Märchlers Michael Vogt.

Wo ist für einen Berner Oberländer die Region Obersee am schönsten?
Rappi ist schon sehr schön – die Seepromenade. Ich bin in Interlaken aufgewachsen zwischen zwei Seen. Deshalb sind See und Wasser für mich sehr wichtig.

Wie landet ein Badminton- und Unihockey-Spieler in der waghalsigen Hochgeschwindigkeits-Sportart Bob?
Als ich im September 2016 während meines Studiums zum Berufsmilitär an die ETH Zürich kam, waren die Plätze in den Unihockey-Teams schon vergeben. In dem Gym, in dem ich trainierte, arbeitete einer, der Bob fuhr. Er fragte mich, ob ich Lust hätte auf ein Anschubtraining in Emmen. So bin ich im Bob-Sport gelandet, ganz zufällig.

Wieviel Nahrung braucht ein Spitzensportler mit 103 Kilo Körpergewicht?
2800 bis 3000 Kalorien. Wenn ich zweimal täglich trainiere, sind’s ein bisschen mehr.

Achten Sie speziell auf Ihre Ernährung?
Nein. Ich esse ganz einfach, viel Fleisch, Kohlenhydrate und Gemüse. Und zwischendurch mag es auch mal was Ungesundes verleiden.

Wie schnell laufen Sie die 100 Meter auf der Leichtathletik-Bahn?
Zum letzten Mal wurde ich 2014 in den USA gemessen, da lief ich die 100 Meter in 11,80 Sekunden. Die englischen Bob-Team haben oft Sprinter dabei, die um die 10 Sekunden laufen. Und auch die Deutschen haben anscheinend einen solchen gefunden…

… Zweimeter-Riese Simon Wulff hat eine 100-Meter-Bestzeit von 10,06 Sekunden. Übrigens: Wieviel Gewicht legen sie im Training auf?
Bei den Kniebeugen sind es 160 Kilos. Da mache ich fünf Serien à drei bis vier Stück.

Wo ist Ihr Platz im Vierer-Schlitten?
Immer auf der linken Seite, gleich hinter dem Piloten.

Auf der Fahrt halten Sie bei bis zu 150 Stundenkilometern den Kopf immer nach unten – merken Sie im Blindflug, wie schnell ihr Team unterwegs ist?
Ja und nein. Du merkst, ob es viele Schläge gibt. Wenn es auf den Geraden nicht schlägt, merkst du, dass es gepasst hat. Auf dem Bobrun in St. Moritz hörst du es pfeifen, wenn du schnell bist.

Wie gross ist die G-Kraft, die Sie in Kurven aushalten müssen?
5 G, in La Plagne in Frankreich wurden auch schon mal 5,9 G gemessen – aber das ist meist nur ein kurzer Moment, nicht wie bei der Flugakrobatik.

Haben Sie letzte Saison den tragischen Unfall ihres Bremsers Sandro Michel, der nach der Zieldurchfahrt vom eigenen Bob überrollt wurde und in Lebensgefahr schwebte, live miterlebt?
Nein, ich fiel fast die ganze letzte Saison wegen Rückenproblemen aus – das ist eine oft verbreitete Verletzung im Bobsport. Ich war zuhause, als der Unfall passierte. Aber ich wurde dann relativ schnell wegen den Kontaktdaten von Eltern und der Freundin angefragt, weil ich Sandro sehr gut kenne.

Wie geht es Sandro Michel heute? Auf den meisten Bildern, die er auf den Social-Media-Kanälen postet, stützt er sich auf einen Gehstock.
Im Grossen und Ganzen geht es Sandro den Umständen entsprechend gut, er kann so weit ein normales Leben führen. Das Wieder-Laufen-Lernen braucht am meisten Zeit, deshalb braucht er oft noch einen Stock.

Sauber und Stadler Rail von Peter Spuhler haben mitgeholfen, einen neuen, aerodynamischeren Schlitten zu bauen. Melanie Hasler, die Freundin ihres zurzeit noch verletzten Piloten Michi Vogt, konnte den neuen Schlitten testen. Wie ist das Echo?
Ich habe noch nicht viel gehört. Ich nehme an, Michi weiss mehr. Wir hoffen, dass wir mit diesem Materialprojekt einen Schlitten haben, der besser läuft und mit dem wir die Konkurrenz noch mehr herausfordern können.

Wann geht für Sie die Saison los?
Eigentlich im Dezember. Aber Michi ist nach seiner Rücken-OP noch nicht so weit. Geplant ist, dass wir im Dezember in Lillehammer das Material testen und dabei schauen, wie es seinem Rücken geht. Im Januar wollen wir dann in die Saison einsteigen.

In gut 400 Tagen steigen die Olympischen Spiele 2026 in Mailand…
… ja, Mailand ist unser grosses Ziel. Darauf arbeiten wir alle hin.

(Max Kern)

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