Das schreckliche Ende des Täufers Felix Mantz

Blick aus dem Inneren der Täuferhöhle. (Foto: Max Kern)

Die geräumige Höhle auf 930 m.ü.M. am Bäretswiler Allmen ist für den ehemaligen Zwingli-Gefährten und Täufer-Gründer Felix Mantz 1525 lange ein ideales Versteck. Bis ihn die Schergen der Zürcher Regierung finden.

Es sind aufwühlende Zeiten Anfang der 1520er-Jahre in Zürich. Unter der Führung des Toggenburgers Huldrych Zwingli hat sich die Revolution durchgesetzt. Die Rückbesinnung auf das Evangelium ist der Massstab, was in Zürich gelebt und geglaubt wird: Fasten, Beichten, Heiligenverehrung, alles wird hinterfragt. Und bei der Taufe scheiden sich die Geister: Für Zwingli spricht nichts dagegen, Kinder bald nach der Geburt zu taufen, wie dies im gesamten Christenraum seit dem 5. Jahrhundert üblich ist. Das sehen Zwinglis Mitstreiter mit Blick auf die Bibel anders. Konrad Grebel, Jörg Blaurock und Mantz (auch die Schreibweise Manz ist geläufig) argumentieren unter anderem, auch Jesus habe sich erst als Erwachsener taufen lassen.

Im Januar 1525 finden in Zürich im Hause der Familie Mantz die ersten Erwachsentaufen statt – die Geburtsstunde der Täuferbewegung. Der frisch getaufte Mantz beginnt sofort, öffentlich für die Erwachsenentaufe zu werben. Zehn Tage später wird er verhaftet. Auch ein Versuch von Zwingli, ihn zum Einlenken zu bewegen, fruchtet nicht. Mantz gelingt die Flucht. Monate später wird er in Graubünden, wo er missioniert, wieder verhaftet. Im Sommer 1525, Mantz wird kurzfristig aus dem Gefängnis geholt, verteidigt er an einer dreitägigen Disputation seine theologische Position gegen Zwingli.

Mantz bleibt standhaft, wird deshalb mit anderen Glaubensbrüdern in Zürich in den Hexenturm geworfen. Nach einem Winter bei Wasser, Brot und Mus verurteilt ihn ein Gericht laut swissinfo.ch zu lebenslanger Haft. Die Regierung erlässt zudem ein Gesetz, das rückfälligen Täufern mit der Todesstrafe droht.

Zwei Wochen später ist Mantz mit dreizehn männlichen und sieben weiblichen Mitgefangenen auf der Flucht. Im Herbst 1525 entkommt Mantz im Hinwiler Betzholz einer Gefangennahme nur knapp. In «Bäretswil – ein Heimatbuch» ist zu lesen, dass Mantz während mehr als drei Wochen im Raum Girenbad versteckt wird. «Vergeblich suchen ihn die Häscher in den Stuben, Kammern, Ställen und Heustöcken der Umgebung. Es liegt nahe, dass sich auch Felix Mantz zeitweise in der nahen Täuferhöhle aufgehalten hat. Eine Sage berichtet von einem unterirdischen Gang zwischen dem Girenbader Gerichtsschloss und der Täuferhöhle.»

Die Täuferhöhle liegt im Wald südlöstlich der Bäretswiler Aussenwacht Wappenswil auf einer Höhe von 930 m.ü.M. 300 Jahre nach dem Aufenthalt von Täufer-Gründer Manz findet man tief im Inneren der Höhle eingehauene Nischen, Messer, Gabeln, Löffel, Fingerhüte und bemalte Kacheln. Der Bäretswiler Pfarrer Köchli spricht 1750 abschätzig vom «Täuferloch».

Zurück zu den Anfängen der Täufer. Am 31. Oktober 1525 gelingt es dem Weibel von Wernetshausen, Manz im Girenbader Schloss zu fassen.

Am 5. Januar 1927 schlägt in der Zürcher Limmat die letzte Stunde von Manz. Mit gefesselten Händen und Füssen kauert er auf der Plattform des Fischerhäuschen und singt lauthals den Psalm «In Deine Hände, Herr, übergebe ich meinen Geist.» Der Scharfrichter zieht mit aller Kraft am Seil, das er dem zum Tod Verurteilten um den Hals geknüpft hat. Von weit her sind verzweifelte Rufe zu hören. Es ist Mantz’ Mutter, die ihm vom Ufer aus zuruft, er solle standhaft im Glauben bleiben. Mantz, der Märtyrer aus der Bäretswiler Täuferhöhle, ertrinkt erst 29-jährig.

Auf der Tafel vor dem stotzigen Anstieg zur Täuferhöhle steht geschrieben: «Die Forderungen der Täufer waren revolutionär. Für Europa kamen sie 250 Jahre zu früh.»

Max Kern

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